Care-Arbeit – wichtig und wenig wertgeschätzt?

Bei der zweiten digitalen Themensitzung am 20.07.2020 haben wir uns mit dem Thema Sorge-Arbeit – oder auch Care-Arbeit – beschäftigt. Gerade in der Coronakrise wurde offensichtlich, wie wenig wertgeschätzt viele Leistungsträger*innen unserer Gesellschaft sind. Erst wenn Kinderbetreuung und Schulerziehung ausfallen und unsere medizinische Notfallversorgung in Gefahr gerät, werden Pflegekräfte und Care-Arbeiter*innen als Held*innen gefeiert. 

Am Ende des Tages reichen öffentlichkeitswirksame Bekundungen und Beifall vom heimischen Balkon jedoch nicht aus. Wertschätzung ist richtig und wichtig, wie sich gezeigt hat allerdings ebenso flüchtig. Einen spürbaren Unterschied würde nur mehr Geld am Monatsende bringen. Trotz Versprechungen seitens des Bundesgesundheitsministers gehen gerade Pflegekräfte in den Krankenhäusern wieder leer aus.

Was uns das Thema Care-Arbeit wieder einmal aufzeigt ist zudem die ungleiche Arbeitsverteilung zu Lasten der Frauen. Sie leisten weitaus mehr unbezahlte Fürsorgearbeit und verdienen in den sozialen Berufen weniger Geld. Scheinbar sinkt das Gehalt in vielen Berufsgruppen mit dem vermehrten Eintritt von Frauen, während mehr männliche Bewerber eine Einkommenssteigerung nach sich ziehen.

Im Moment wird der steigende Bedarf an Fachkräften, zum Beispiel in der Altenpflege, durch das osteuropäische Ausland zu kompensieren versucht. Was entsteht, sind sogenannte Care-Chains, Ketten von Arbeitsmigration in ausgewählten Bereichen. Wer aber versorgt die Senior*innen in den Heimatländern der Pflegekräfte? Die Probleme sind vielseitig, aber es existieren viele spannende Ideen wie bedürfnisorientierte Ökonomie, über die es jetzt an der Zeit ist, zu diskutieren.

Wir freuen uns immer wieder über so angeregte Diskussionen wie am vergangenen Montag. Anekdoten aus der eigenen Schulzeit und Perspektiven aus den verschiedensten Studienfächern erweitern den eigenen Horizont. 

Wir danken allen für die Teilnahme und die spannende Diskussion.