Welchen Wert hat die Arbeit?

Am 02.11.2020 fand die dritte digitale Themensitzung in diesem Jahr und die erste in diesem
Wintersemester unter dem Titel „Wert der Arbeit“ statt. Anhand der gleichnamigen 3satDokumentation haben wir uns insbesondere mit den Auswirkungen der Coronakrise auf den
Arbeitsmarkt beschäftigt.
Ausgehend von der Entwicklung, dass Mitarbeiterwertschätzung in Unternehmen zunehmend
wichtiger wird, startete der Abend direkt mit einer kontroversen Debatte über die Frage, inwieweit
Betriebe tatsächlich ihre Mitarbeiter wertschätzen können oder (immaterielle) Wertschätzung durch
höhere Personalbindung, Arbeitsmotivation und –leistung nur zur Kostensenkung nutzen. Auch
wurden die Möglichkeiten diskutiert, Unternehmen durch diese Vorteile faire Arbeitsbedingungen
quasi schmackhaft zu machen.
Weiterhin wurden die Vor- und Nachteile des Kurzarbeitergeldes diskutiert. So wurde zwar festgestellt,
dass das Kurzarbeitergeld einen guten, kurzfristigen Puffer gegen Arbeitslosigkeit darstellt. Jedoch ist
einerseits das Ende der Pandemie bislang kaum absehbar und andererseits geraten insbesondere
Geringverdienerinnen, zum Beispiel in der Gastronomie, nun erst recht in Bedrängnis. Besonders sie würden von einer Aufstockung des Kurzarbeitergeldes profitieren. Als weiteres Problem wurde die geringe gewerkschaftliche Organisation von Menschen in sogenannten „systemrelevanten Berufen“, also zum Beispiel in der Pflege oder Erziehung, festgestellt. Als Ursachen für dieses Phänomen wurden verschiedene Aspekte diskutiert, wie zum Beispiel ein geringeres Klassenbewusstsein, eine erschwerende Unternehmenskultur und geringes Wissen über die Möglichkeiten der gewerkschaftlichen Organisation. Auch wurde darauf hingewiesen, dass von diesem Problem häufig Frauen, also Personen, die sowieso struktureller Diskriminierung ausgesetzt
sind, betroffen sind.
Zum Schluss stand die schwierige Situation der Berufseinsteigerinnen und Azubis – quasi der beruflichen „Hochrisikogruppe“ der Pandemie – im Vordergrund. Auch wenn nämlich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt schon vor der Corona-Pandemie angespannt war, so will nun auch noch ein Viertel der noch ausbildenden Betriebe in diesem Jahr weniger Plätze anbieten. Viele kleine Betriebe, besonders in der Gastronomie und dem Hotelgewerbe, können sich das Ausbilden schlicht nicht mehr leisten oder wissen gar nicht, ob sie in einem halben Jahr noch existieren. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die dringend Azubis suchen, sich den Schulabgängerinnen, zum Beispiel durch
ausfallende Berufsmessen, aber gar nicht erst vorstellen können.
Alles in allem war auch der dritte Themenabend in digitaler Form für alle Teilnehmer*innen wieder
eine interessante Veranstaltung mit vielen Einblicken in die unterschiedlichen, wirtschaftlichen
Auswirkungen der Corona-Pandemie, die insbesondere auch die junge Generation betreffen.