Studiengebühren: Keine Extrawürste für niemanden! Auch nicht Medizinstudierende!

​Zu dem neuesten Vorstoß aus den Reihen der Union zur Wiedereinführung der Studiengebühren erklärt die Juso-HSG Bonn:

Nein, nein und nochmals nein! Im Jahre 2 nach der vollständigen Abschaffung der Regelstudiengebühren in allen Bundesländern in Deutschland, kommt vom gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, ein Vorschlag, der davon zeugt, dass er den Wandel verschlafen hat. Studiengebühren ja – und zwar bitte nur für Medizinstudierende, fordert er! Denn das sei ja mit bis zu 200.000 € an Gesamtkosten schließlich das teuerste Studium und die AbsolventInnen hätten hervorragende Perspektiven.

Ein solcher Vorschlag ist absolutes Gift für den freien Zugang aller gesellschaftlichen Gruppen zur Hochschule. Mit seiner Dauer von sechs Jahren und drei Monaten, davon 17 Monate praktische Vollzeitarbeit (Pflegepraktika, Famulaturen und Praktisches Jahr) ist das Medizinstudium ohnehin für viele Studierende eine enorme finanzielle Herausforderung. Viele StudienbewerberInnen, vor allem Arbeiterkinder, würden sich bei fachspezifischen Studiengebühren von diesen abschrecken lassen und ein anderes Fach oder eine Ausbildung wählen – auch wenn sie ihre eigentliche Berufung in der Medizin sehen.

Die Studierenden können auch nichts für die Kosten ihres Studienganges. Das Medizinstudium erfordert nun mal den Unterhalt sehr vieler Institute und Universitätsklinka um eine umfassende Ausbildung zu ermöglichen. Die Finanzierung des Medizinstudiums ist eine der elementarsten Aufgaben stattlicher Gesundheitspolitik um dem gesetzlichen Sicherstellungsauftrag erfüllbar zu machen. Der Verweis auf „hohes Einkommen und null Risiko für Arbeitslosigkeit“ ist zynisch und unvollständig. Spahn verkennt, dass das steuerfinanzierte Studium von den momentanen Studierenden in deren späteren Arbeitsleben mitfinanziert wird. Zum Mangel ärztlicher Versorgung vor allem auf dem Land, vergisst der Abgeordnete zu erwähnen, dass die Zahl der Studienplätze im Vergleich zum Zeitraum der Wiedervereinigung um 37,5% gesunken ist.

Abgesehen davon: Studiengebühren in Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt? Die letzten Klagen der Politik über eine „Ärzteschwemme“ liegen keine 15 Jahre zurück.

Die Juso-HSG setzt sich in Bonn, NRW und Deutschland konsequent gegen Studiengebühren in jeder Form ein, ob allgemein, nachgelagert oder fachspezifisch.