Stellungnahme zur Veranstaltung mit Lutz Taufer

Gestern Abend fand im Le Sabot die von der Kulturgruppe AK studentische Kultur und Politik organisierte Lesung der Autobiographie des ehemaligen RAF-Terroristen Lutz Taufer statt.
Lutz Taufer wurde 1977 wegen zweifachen gemeinschaftlich begangenen Mordes bei der Besetzung der Stockholmer Botschaft verurteilt und 1995 freigelassen.
Schon während seiner Haft begann er sich von Gewalttaten der RAF zu distanzieren.
Nach Verbüßung seiner Strafe lebte er lange Zeit in Brasilien und engagierte sich dort in den Favelas.
Heute ist er Vorstandsmitglied des Weltfriedensdienstes, welcher auch mit dem Entwicklungsministerium zusammen arbeitet.
Die 330 Euro, die für die Veranstaltung mit Lutz Taufer bewilligt wurden, hat die Kulturgruppe beim Kulturplenum des AStA beantragt, in dem alle teilnehmenden Kulturgruppen über die Verteilung von Geldern abstimmen. Auf dem Kulturplenum wurde die Veranstaltung diskutiert und die Vergabe von Geldern positiv votiert, da in der Lesung ein Mehrwert für die Studierendenschaft gesehen wurde.
Dies nahmen sich LHG und RCDS zum Anlass in den Uniwahlkampf zu starten und reagierten dementsprechend polemisch aggressiv auf die Entscheidung des Kulturplenums.
Trotz der Vorwürfe wurden die Gelder mit einer Mehrheit des Studierendenparlaments bewilligt.
Einige Punkte aus der Diskussion wollen wir kommentieren:

  • Es gibt einen Unterschied zwischen jetzt aktiven Extremisten und einem Ehemaligen
  • Straftätern vorzuwerfen den Staat durch Haftkosten zu belasten, entspricht nicht dem Konzept unseres Rechtsstaats
  • Die Veranstaltung wurde vom AK studentische Kultur und Politik veranstaltet und nicht vom AStA
  • Das Eintreten gegen Extremismus fordert auch die Auseinandersetzung mit Aussteigern
  • Man darf Studierenden ein gewisses Maß an Mündigkeit zugestehen
  • Die größten Kritiker haben die Veranstaltung nicht besucht, um sich selber ein Bild zu machen. Auch dort verurteilte Taufer seine Taten

Wir verzichten an dieser Stelle auf falsche bis verfälschte Zitate und hoffen für die Zukunft, dass unser Wunsch zivilisiert Argumente austauschen zu können, auch bei einem anscheinend so emotional aufgeladenen Thema auf Zustimmung trifft.